{"id":8418,"date":"1992-04-10T10:20:00","date_gmt":"1992-04-10T10:20:00","guid":{"rendered":"http:\/\/entwicklung.fks.diwete.de\/?p=8418"},"modified":"2020-03-02T18:38:02","modified_gmt":"2020-03-02T18:38:02","slug":"1992-wildwasserlehrgang-auf-alpenfluessen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freie-kanu-sportler.de\/?p=8418","title":{"rendered":"Wildwasserlehrgang auf Alpenfl\u00fcssen"},"content":{"rendered":"\n<p>Um auch in Zukunft mit unseren Jugendlichen anspruchsvolle Touren mit Wildwasser-Charakter machen zu k\u00f6nnen, bilden wir besonders talentierte und sportliche Jugendliche im Wildwasserfahren aus. Wie die Erfahrung aus vergangenen Wildwasserfahrten gezeigt hat, ist eine Ausbildung in kleinen Gruppen sinnvoll, denn nur so ist eine gute Absicherung und ein rasches Eingreifen m\u00f6glich. Von einem solchen Wildwasserlehrgang wollen wir hier berichten.<\/p>\n\n\n\n<p>Am verl\u00e4ngerten Wochenende des 1. Mai brechen wir am Donnerstagabend in Richtung S\u00fcden auf. Wir sind 4 Personen: 2 alte Hasen, die schon mit vielen Wildwassern gewaschen sind, ein junger Wildwasseranf\u00e4nger und unsere gesch\u00e4tzte Fahrerin, die uns an den Aussatzstellen abholen wird. Kurz vor Mitternacht treffen wir an der oberen Ammer in Rottenbuch ein. Leider hat der Kanutenzeltplatz beim &#8222;Kastenm\u00f6ller&#8220; zu, wir \u00fcbernachten daher auf einem nahegelegenen Parkplatz.<\/p>\n\n\n\n<p>Schon fr\u00fch am Morgen treibt uns das Wasserrauschen der Ammer aus den Schlafs\u00e4cken. Nach einem kurzen Fr\u00fchst\u00fcck geht es in die Boote. Zum Einfahren haben wir uns die leichtere Strecke bis zur B\u00f6binger Br\u00fccke ausgew\u00e4hlt. Bei sch\u00f6nem Sommerwetter und gutem Wasserstand wird dann auch gleich das Kehrwasserfahren, das Traversieren, die Seilf\u00e4hre und andere Wildwassertechniken ge\u00fcbt. Beim Abreiten einer kleinen Walze passierte dann auch gleich die 1. Kenterung- Pasqual hat sein Boot nicht richtig aufgekantet. Mann und Boot konnten aber schnell geborgen werden. Nach einer rasanten Schu\u00dffahrt ein Wehr herunter, ist die Kenterung bald wieder vergessen. Die Aussatzstelle an der B\u00f6binger Br\u00fccke war dann schnell erreicht und unser Fahrzeug stand schon f\u00fcr uns zur R\u00fcckfahrt bereit. Nach einer kurzen Brotzeit ging es dann mit dem Auto zur sch\u00f6nsten Wildwasserstrecke Deutschlands, an die Ammer nach Kammerl. Sie flie\u00dft durch eine Voralpenlandschaft, die Bayern weit \u00fcber die Landesgrenzen ber\u00fchmt gemacht hat: den Pfaffenwinkel.<\/p>\n\n\n\n<p>Herbert Rittlinger schrieb \u00fcber die Ammer: &#8222;Steile Ufer lassen keinen Fu\u00dfweg zu und das Boot wird zum einzigen Mittel, in dieses Paradies einzudringen.&#8220; Wie die Steyer und die Steirische Salza bietet die Ammer eine \u00fcberraschende Vielfalt an Bodenformen und daraus resultierenden Freuden f\u00fcr den Paddler. Das tief eingegrabene Bett dieses Wildwassers steht teilweise unter Naturschutz. Die urwaldartige Vegetation der steilen \u00dcberh\u00e4nge, die herrlichen Schleierf\u00e4lle, Felsrippen, Inseln, Wasserf\u00e4lle, sauberes Wasser, locken immer wieder viele Kanuten von Nah und Fern an.<\/p>\n\n\n\n<p>Wer die Ammer noch nie gefahren ist, h\u00f6chstens etwas von einer sagenhaften &#8222;Scheibum&#8220; geh\u00f6rt hat, macht sich zu Fu\u00df auf den Weg, um sich dieses Naturschauspiel anzusehen. Wer sie schon kennt, ebenso; das geh\u00f6rt sich so vor einer Ammer-Befahrung. Wir erweisen der &#8222;Scheibum&#8220; unsere Reverenz. Wir haben Gl\u00fcck und k\u00f6nnen zuschauen, wie andere paddelnde Zeitgenossen das Problem l\u00f6sen. An der besagten Stelle schie\u00dft die Ammer recht steil bergab, erst nach links, dann nach rechts und zuletzt \u00fcber eine schr\u00e4g im Schu\u00df stehende Rippe.<\/p>\n\n\n\n<p>Hat man die &#8222;Scheibum&#8220; gl\u00fccklich \u00fcberwunden, kann man die fantastischen Felsriegel bewundern. Und weiter geht es, vorbei an einem riesigen &#8222;Badestrand f\u00fcr Gestrandete&#8220;, vorbei an Felsrippen, Kiesb\u00e4nken, \u00fcber eine Naturstufe, die recht \u00fcberaschend kommt und mit Herzklopfen genommen wird. Immer wieder wartet der Flu\u00df mit \u00dcberraschungen auf. Passiert man die Echelsbacher Br\u00fccke, sollte man lieber auf den Flu\u00df achten, als auf die Leute, die oben winken. Wir meistern alle Schwierigkeiten ohne Kenterung und lassen abends am Lagerfeuer einen anstrengenden, aber erlebnisreichen Tag gem\u00fctlich ausklingen.<\/p>\n\n\n\n<p>Nachdem wir am Vortage die Ammer befahren haben, geht es heute ins Karwendel nach \u00d6sterreich an die obere Isar. Aussatzstelle ist der Grenzort Scharnitz. Die Privatstra\u00dfe zur Einsatzstelle ist aus Naturschutzgr\u00fcnden f\u00fcr den allgemeinen Verkehr gesperrt. Wir lassen uns, aus Zeitgr\u00fcnden, mit dem Bootstaxi dorthin bringen. Eine andere M\u00f6glichkeit, bei der man die obere Isar am echtesten erleben kann, w\u00e4re, wenn man sein Auto in Scharnitz stehen l\u00e4\u00dft, Boot, Kleidung und Proviant auf einen Bootswagen packt und m\u00f6glichst fr\u00fch am Tag in Richtung Isarquelle loszieht. Vielleicht wird es eines Tages nat\u00fcrliche Wildwasserparks geben, oder regenerierte Flu\u00dflandschaften, in denen es selbstverst\u00e4ndlich ist, da\u00df man vor oder nach der Bootsfahrt zu Fu\u00df am Flu\u00df entlangwandert, um zum Start zu kommen oder das Auto wieder zu erreichen.<\/p>\n\n\n\n<p>Oben an der Isar angekommen- wobei man je nach Lust, Laune und Wasserstand mehr oder weniger weit oben einsetzen kann- beginnen wir die Fahrt. Vorbei an bis zum Flu\u00df herunterreichenden Schuttf\u00e4chern, an duftenden Latschenkieferbest\u00e4nden, immer tiefer hinein in eine Schlucht, geht es auf dem glasklarem Flu\u00df. Dabei ist es ein Kunstst\u00fcck, sich ohne Ber\u00fchrung der vielen Felsbrocken, die in dem Wildbach liegen, herunterzumogeln. Sogar eine Art Katarakt mu\u00df \u00fcberwunden werden. Pasqual, unser Anf\u00e4nger, h\u00e4lt sich tapfer und kommt erstaunlich gut durch.<\/p>\n\n\n\n<p>Schlie\u00dflich steigert sich die Schlucht zu einer echten Klamm, zwar nicht be\u00e4ngstigend, doch sehr eindrucksvoll. Von links kommt der Gleirschbach, dann ist die Engstelle durchbrochen und die Isar f\u00e4ngt an, durch eine noch immer v\u00f6llig nat\u00fcrliche einsame Schlucht zu kurven. B\u00e4ume h\u00e4ngen im Wasser, kleine Schw\u00e4lle und Walzen sorgen f\u00fcr fahrtechnische Abwechslung, die Kurven werden immer enger. Herrliche Kehrwasser nutzen wir zum \u00dcben und Spielen.<\/p>\n\n\n\n<p>Hinter einem Kieswerk mit einem fahrbaren Wehr ist dann die Fahrt in Scharnitz zu Ende. Nach einer kleinen Wanderung setzen wir uns wieder in unser Fahrzeug, um zu unserem n\u00e4chsten &#8222;Flu\u00dfabenteuer&#8220;, der Loisach, zu fahren. Am Eingang der Griesenschlucht finden wir einen guten \u00dcbernachtungsplatz, und beschlie\u00dfen dort zusammen mit anderen Kanuten am Lagerfeuer diesen aufregenden Tag.<\/p>\n\n\n\n<p>Als kr\u00f6nender Abschlu\u00df unseres Wildwasserwochenendes sollte es an unserem letzten Tag auf die Loisach gehen. Viele Wildwasserfans treffen sich hier auf der oberen Loisach, an der bekannten Griesen- Schlucht bei Garmisch. Die darf man sich nicht allzu dramatisch vorstellen was ihre Tiefe und L\u00e4nge betrifft. Mancher S\u00fcdfrankreich- oder Jugoslawienkenner mag bei ihrem Anblick nur heimlich l\u00e4cheln. F\u00fcr den ehrgeizig nach h\u00f6heren Schwierigkeitsgraden Strebenden, kann diese Schlucht jedoch zur H\u00f6lle werden. Zahlreiche Bootsscherben, von der Loisach gn\u00e4dig bis zur Unkenntlichkeit verarbeitet, geben ein aufschlu\u00dfreiches Bild.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Bei Normalwasserstand setzt man vor dem Geschwandsteg am Ende der leichteren Strecke unterhalb der Landesgrenze ein. Noch hat man Zeit, einen Blick auf die immer wieder begeisternde Kulisse der Zugspitze zu werfen, wie \u00fcberhaupt das obere Loisachtal uns jedesmal schlagartig in Urlaubsstimmung versetzt. Wie schwer die Schlucht zu fahren ist, kann man am besten absch\u00e4tzen, wenn man jahrelang alle m\u00f6glichen anderen Wildwasser gefahren ist und die &#8222;Griesener&#8220; nicht mehr in- und auswendig kennt. Nat\u00fcrlich fehlt die Wucht der \u00d6tztaler Ache, die Abst\u00fcrze der Brandenberger Ache und die Geschwindigkeit der Koppentraun. Aber man mu\u00df schon \u00fcber eine sehr entwickelte Fahrtechnik verf\u00fcgen, um die chaotisch im Flu\u00dfbett liegenden Felsbl\u00f6cke sauber zu umfahren. Es gibt zwar gen\u00fcgend Kehrwasser, so da\u00df man sich von einem zum anderen flu\u00dfab &#8222;hangeln&#8220; kann. Doch an manchen Stellen ist es trotz Kehrwasser nicht mehr m\u00f6glich zu entscheiden, wohin man das Boot wenden soll. Im &#8222;Dom&#8220;, einer markanten Felsformation, fahren dann manche prompt in die &#8222;Garage&#8220;, n\u00e4mlich dahin, wohin das meiste Wasser l\u00e4uft und die Weiterfahrt unm\u00f6glich ist. Weiter unten im &#8222;Treppenhaus&#8220;, wenn man glaubt, sich dran gew\u00f6hnt zu haben vor Felsen die Loisach nicht mehr zu sehen, f\u00e4llt der Flu\u00df ziemlich steil nach unten. In einem Felschaos, durch das man das Boot fast auf den Zentimeter genau man\u00f6vrieren mu\u00df, bietet er in einem herrlichen Schwall dem K\u00f6nner ein echtes Vergn\u00fcgen, dem Neuling den Beweis, da\u00df Wildwasser III schon au\u00dferordentlich viel Technik und Taktik verlangt. Man lasse sich durch die Bewertung nicht verdrie\u00dfen, denn Wildwasser III ist immerhin schon schweres Wildwasser.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider war der Wasserstand dieser tollen Strecke f\u00fcr unsere Gruppe zu hoch. Eine Befahrung mit einem Anf\u00e4nger w\u00e4re zu risikoreich gewesen. (Pegel Gschwandsteg 160, normal sind 120 cm). Besonders sch\u00f6n ist aber auch der Start ganz oben bei Ehrwald, wo der Flu\u00df aus einer riesigen moorigen Ebene, eingebettet zwischen Zugspitze, Mieminger Kette und Grubigstein, sein Wasser bezieht. Entlang der Stra\u00dfe, sp\u00e4ter weiter davon entfernt, sch\u00e4umt die Loisach dahin, durch lockeren Bergwald und eine wundervolle alpine Vegetation. Es ist eine schnelle und lustige Fahrt, nur eine hinterlistige Stelle &#8222;der Gumpen&#8220; sollte jedesmal neu erkundet werden. Hier schie\u00dft die Loisach nach zunehmenden Gef\u00e4lle etwa 2 Meter steil nach unten. Danach wird der Flu\u00df allm\u00e4hlich leichter bis zum Gschwandsteg, dem Beginn der Loisachschlucht.<\/p>\n\n\n\n<p>Leider geht ein solches Wochenende viel zu schnell vorbei. Wir verladen schon wieder gegen Mittag unsere Boote, um uns auf den langen Heimweg zu begeben.<\/p>\n\n\n\n<p><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Um auch in Zukunft mit unseren Jugendlichen anspruchsvolle Touren mit Wildwasser-Charakter machen zu k\u00f6nnen, bilden wir besonders talentierte und sportliche Jugendliche im Wildwasserfahren aus. Wie die Erfahrung aus vergangenen Wildwasserfahrten gezeigt hat, ist eine Ausbildung in kleinen Gruppen sinnvoll, denn nur so ist eine gute Absicherung und ein rasches Eingreifen m\u00f6glich. 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