{"id":8410,"date":"2000-07-11T10:41:00","date_gmt":"2000-07-11T10:41:00","guid":{"rendered":"http:\/\/entwicklung.fks.diwete.de\/?p=8410"},"modified":"2020-03-02T18:54:25","modified_gmt":"2020-03-02T18:54:25","slug":"spreewald","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/freie-kanu-sportler.de\/?p=8410","title":{"rendered":"Spreewald"},"content":{"rendered":"\n<p>Der Teufel pfl\u00fcgte mit seinem Gespann in der Eiszeit das Bett der Spree. Doch nach einem Gutteil der Strecke machten die Ochsen schlapp und lagen m\u00fcde in den Riemen. Der Mann mit dem Pferdefu\u00df warf w\u00fctend die M\u00fctze nach den Tieren und zischte: &#8222;Euch soll meine Gro\u00dfmutter holen!&#8220; Das giftige Fauchen schreckte die Ochsen auf. Sie ergriffen die Flucht und zogen dabei den Pflug die Kreuz und die Quer hinter sich her.- So entstand das Netz der 330 gro\u00dfen und kleinen Wasserarme, der Spreewald- jedenfalls der Sage nach.<\/p>\n\n\n\n<p>Fachleute geben da eine plausiblere, nat\u00fcrlichere Erkl\u00e4rung: Beim Abflu\u00df der Schmelzw\u00e4sser vom Rande des letzten skandinavischen Inlandeises blieben gro\u00dfe Massen von Ablagerungen zur\u00fcck. Die Spree sch\u00fcttete einen breiten Schwemmsandf\u00e4cher auf. Hier konnte sich der Flu\u00df mit dem geringen Gef\u00e4lle von nur sieben Metern auf 34 Kilometern Hauptspree zwischen den Orten Fehrow und L\u00fcbben- sie begrenzen diese in Mitteleuropa einmalig sch\u00f6ne 175 Quadratkilometer gro\u00dfe Naturlandschaft- nicht in den Boden eingraben. Das Wasser strebte fingerartig auseinander, und es entstanden die vielen Spreewaldflie\u00dfe. Auf diese Flie\u00dfe zog es uns f\u00fcr eine Woche in den Herbstferien.&nbsp;<\/p>\n\n\n\n<p>Die Anfahrt \u00fcber Dresden gestaltete sich ertr\u00e4glich, da wir die verkehrsintensiven Zeiten meiden konnten. Zu Pfingsten hatte Familie Raabe dem Spreewald bereits einen Besuch abgestattet und einige Erfahrungen gesammelt, die uns bei dieser Fahrt zugute kommen sollten. \u00dcbernachtet wurde in der Jugendherberge am Byhlegurer See. Ein echter Luxus gegen\u00fcber unseren sonst \u00fcblichen Zeltlagern. Doch Zelten w\u00e4re auch gut gegangen, da wir mal wieder herrliches Wetter haben sollten. Abseits vom Touristenrummel in L\u00fcbbenau und L\u00fcbben, starteten wir am &#8222;Waldschl\u00f6\u00dfchen&#8220; in Richtung Leipe. Nach kurzer Fahrt wurden uns gleich Spreewaldspezialit\u00e4ten in Form von eingelegten Gurken vom Ufer aus angeboten. Wir konnten nat\u00fcrlich nicht widerstehen. Durch eine herrliche Landschaft auf Flie\u00dfen mit Namen wie: Wildbahnflie\u00df, stilles Flie\u00df, Trotzkiflie\u00df oder Rohrkanal erreichten wir bald das Dorf Leipe. Nach einer ausgiebigen Pause auf einer sch\u00f6nen sonnigen Wiese, ging es wieder zur\u00fcck zur Einsatzstelle, denn anders als bei Fl\u00fcssen in unserer Gegend, haben die Flie\u00dfe im Spreewald meist kaum Str\u00f6mung und man hat daher keine Probleme beim Stromaufw\u00e4rtspaddeln. Es wurde schon langsam d\u00e4mmerig, als wir in der Jugendherberge ankamen. In der &#8222;J\u00e4gerh\u00fctte&#8220;, die uns eigens zur Geselligkeit und zum Kochen zur Verf\u00fcgung gestellt wurde, konnten wir einen sch\u00f6nen Tag ausklingen lassen. Hier im Spreewald leben die Sorben. Die Sorben kamen um 600 in den Spreewald und siedelten in dem wasserreichen Waldland auf den h\u00f6her gelegenen Stellen, den Kaupen, und an den R\u00e4ndern der Niederungen. Jagd und Fischerei waren anfangs die wichtigsten Erwerbsquellen. Sp\u00e4ter entwickelte sich mehr und mehr die Landwirtschaft, um die anwachsende Bev\u00f6lkerung zu ern\u00e4hren. Neues Siedlungsland mu\u00dfte \u00fcber viele Generationen m\u00fchsam durch Entw\u00e4sserung dem Sumpfland abgerungen werden. Seit dem 10. Jahrhundert gerieten die slawischen Einwohner unter deutsche Feudalherrschaft.&nbsp;&nbsp;Deutsche Handwerker und Bauern kamen ins Land. Es wurden St\u00e4dte gegr\u00fcndet und neue D\u00f6rfer angelegt. Trotz der jahrhundertelangen Unterdr\u00fcckung behauptete sich sorbisches Volkstum und sorbische Sprache. Ausdruck sozialistischer Nationalit\u00e4tenpolitik war das &#8222;Gesetz zur Wahrung der Rechte der sorbischen Bev\u00f6lkerung&#8220;. So findet man im Spreewald allerorts zweisprachige Stra\u00dfen- und Ortsschilder. In den Schulen wird sorbisch gelehrt, Volksbr\u00e4uche leben wieder auf, man eignete sich sorbisches Volksgut an, auch in Liedern und T\u00e4nzen findet das seinen Ausdruck.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dieser Information \u00fcber die Ureinwohner des Spreewaldes, zur\u00fcck zu unseren Kanufahrten. Wir hatten uns an unserem 2. Tag im Spreewald den Neuzaucher Hochwald ausgesucht, ein etwas entlegener Teil des Spreewaldes, wo nicht viele Touristen hinkommen. Wir waren begeistert von der Natur und der Ruhe hier im Neuzaucher Hochwald. Spannend wurde es, als unsere Karte nicht mehr mit der Wirklichkeit \u00fcbereinstimmte. Wir fuhren aber in die richtige Richtung und konnten nach einst\u00fcndiger &#8222;Suchfahrt&#8220; wie-der nach unserer Karte paddeln. Leider mu\u00dften wir \u00f6fters solche Fehler in den Wanderkarten aus DDR-Zeiten feststellen, was uns aber nicht davon abhalten konnte, sch\u00f6ne Gegenden zu erkunden.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einem langen und anstrengenden Tag im Boot, zog es uns Tag&#8217;s darauf in die Stadt, nach Cottbus. Dort besuchten wir das Planetarium und erhielten so einen anschaulichen Einblick in die Himmelsmechanik. Viel Spa\u00df machte uns danach eine Fahrt mit einer alten Eisenbahn. Mit viel Dampf, Ru\u00df und Gestank ging es zum Tierpark, in dem nicht nur unsere J\u00fcngsten Spa\u00df hatten. Dieser sch\u00f6ne Tag ging beschaulich, bei Grillw\u00fcrstchen und Bier, in der romantisch gelegenen Grillh\u00fctte direkt am Byhlegurer See, zu Ende.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach dem Stadtbummel am Vortage in Cottbus, zog es uns wieder zum Paddeln in die Natur. Dieses Mal sollte es in den Unterspreewald gehen. Der Unterspreewald mit seinen sehr alten Baumbest\u00e4nden ist zum gr\u00f6\u00dften Teil Naturschutzgebiet und f\u00fcr uns Kanuten teilweise gesperrt. F\u00fcr uns ein Grund mehr, die letzten noch frei befahrbaren St\u00fccke Natur noch einmal zu erleben. Leider werden hier Touristen mit motorangetriebenen K\u00e4hnen durch die Gegend &#8222;geschippert&#8220;, und wie wir aus verl\u00e4\u00dflicher Quelle erfahren konnten, haben schon einige Motorbootfahrer eine Sondergenehmigung f\u00fcr die sonst gesperrten Flie\u00dfe im Naturschutzgebiet. Trotz dieser negativen Erfahrungen, gefiel es uns im Unterspreewald sehr gut. Es bleibt nur zu hoffen, da\u00df zumindest ein Teil dieser Naturlandschaft weiterhin von uns Kanuten mitgenutzt werden darf.<\/p>\n\n\n\n<p>Einen Einblick in das d\u00f6rfliche Leben im Spreewald, vermittelte uns am letzten Tag unseres Aufenthaltes eine Kanufahrt durch Lehrde, einem typischen Spreewalddorf mit vielen kleinen Flie\u00dfen und wenig Stra\u00dfen. Selbst die Post wird heute noch im traditionellen Spreewaldkahn ausgefahren. Riesige K\u00fcrbisse und sauber geschichtete Misthaufen zieren hier die kleinen Bauernh\u00f6fe. Uralte Holzh\u00e4user in Blockbauweise zeugen von einer gediegenen und naturverbundenen Lebensart. Der Besuch der Wotschofska, einem mitten im Wald gelegenen Spreew\u00e4lder Wirtshaus, rundete diesen Einblick in das Leben der Spreew\u00e4lder Bev\u00f6lkerung ab.<\/p>\n\n\n\n<p>Nach einer Woche war unser Urlaub leider vorbei. Mit vielen neu gesammelten Eindr\u00fccken ging es wieder zur\u00fcck in Richtung Heimat. Bei sehr gutem Herbstwind konnten wir sogar noch unsere selbstgebauten Lenkdrachen, irgendwo zwischen Leipzig und Dresden, steigen lassen. Ein gelungener Urlaub lag hinter uns. Fest steht, da\u00df dies nicht unser letzter Spreewaldbesuch sein wird.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Der Teufel pfl\u00fcgte mit seinem Gespann in der Eiszeit das Bett der Spree. 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