Der Fluss, den es nicht gibt – eine Liebeserklärung an das Hinsehen PDF Drucken E-Mail
Geschrieben von: Tom Gurtmann   
Montag, 11. November 2019 um 10:26 Uhr

Jedes Jahr wieder taucht er auf, wenn die Fluten den Edersee verlassen und über Eder, Fulda und Weser das Meer erreichen. Der Flusslauf der Eder im Edersee, zum Leidwesen der Segler nicht zum Segeln geeignet - zum Baden, Tauchen, Rudern und Paddeln taugt er auch nicht. Daher findet er auch kaum Beachtung, selbst wenn sich viele Menschen an den durch die schwindenden Fluten freigelegten Bauwerken und historischen Resten der Edersee-Atlantis erfreuen. Das hat er aber nicht verdient, der Fluss, den es nicht gibt. Denn wo findet man in Deutschland oder gar in Europa einen Fluss, der - bis auf ein paar Brückenbauwerke - vom Menschen völlig unbeeinflusst dahinfließen kann? Wie vor über hundert Jahren bahnt er sich seinen Weg durch das enge Edertal, im Süden durch das Buchenmeer des Kellerwaldes und im Norden durch die steilen Hänge der Eichen- und Buchenurwälder wie der Hünselburg und der Kahlen Hardt begrenzt. Bar jeder hohen Ufervegetation fließt er dahin, von weiten Grasfluren und seltener, oftmals winziger Auwaldvegetation gesäumt.

Es gibt allerdings unter günstigen Bedingungen die Möglichkeit, diesen Flusslauf und seine wunderschönen Aus- und Anblicke auch mit Kanu und Kajak zu erfahren.

Am letzten Sonntag war es so weit: Der Wasserspiegel des Edersees lag mit 23 m unter Vollstau so niedrig, dass der Rückstau gerade bis kurz oberhalb der Halbinsel Scheid reichte. Das alleine war schon länger der Fall, jetzt kam aber durch die Niederschläge der vergangenen Wochen ein ausreichender Zufluss aus der Eder oberhalb von Herzhausen dazu. Dadurch geschah das, was sich alle Paddler gegenseitig wünschen, wenn sie sich treffen: Mindestens eine Handbreit Wasser unter dem Kiel! So war es nicht verwunderlich, dass sich spontan sechs Kanutinnen und Kanuten der Freien Kanusportler aus Bad Emstal-Sand zusammengefunden hatten, um diese einmalige Gelegenheit zu nutzen. Und, wenn Engel reisen…, es sollte ein wunderschöner, zwar kühler, aber sonniger Herbsttag werden, der mit seinem Licht die Reste des bunten Herbstlaubs noch zum Leuchten brachte. So konnten die Abenteurer mit echtem Yukon-Feeling eine wunderschöne, 15 Kilometer lange Tour fahren, die allen Teilnehmern noch lange im Gedächtnis bleiben wird.

Die Schönheit liegt eben im Auge des Betrachters; und es kommt vor allem darauf an, im richtigen Augenblick hin zu sehen.

Wer durch ein paar Bilder an dieser unvergleichlichen Fahrt teilhaben und weitere Details dazu erfahren möchte, findet sie unter diesem Link:

https://www.komoot.de/tour/t102874088?ref=atd

Viel Spaß dabei, wir hatten ihn auf jeden Fall.

 

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Zuletzt aktualisiert am Dienstag, 12. November 2019 um 09:25 Uhr